Leseprobe:  "Kinder der Maxhütte" 

 

Gerhart Gröninger, Maxhütte-Haidhof
 

Geschäftsleiter a.D. der Stadt Maxhütte-Haidhof bis 2007, Vorträge zur „Maxhütte“: Blech und Eisen, Bergbau: Die Austria

„Wir sind Kinder der Maxhütte!“ Diese Aussage hat mich beeindruckt und nachdenklich gemacht.

Bei der Erstellung dieses Buches sind diese Worte von Ehemaligen und Zeitzeugen wiederholt gefallen.
„Wir sind alle Kinder der Maxhütte!“
Dies trifft in diesen gut 140 Jahren Werksgeschichte auf sicher jede Familie am Ort zu, weil über Generationen hinweg, der Großvater, Vater und Onkel im Werk waren

oder für das Werk gearbeitet haben, sei es als Metzger, Bäcker, Handwerker, vom Mauerer bis zum Schreiner, von den Brauereien bis zum Busunternehmen. So wurden aus 3500 Beschäftigten nochmal so viele, die vom Werk abhängig waren.

„Wir sind alle Kinder der Maxhütte!“
Diese  Aussage trifft auch auf mich zu, weil das sichere Einkommen meines Vaters im Werk für ein ausgeglichenes Familienleben sorgte und damit auch eine gute Ausbildung der Kinder sicherte.
Es war auch die „Maxhütte“, die mich 1980 als Leiter der Bauverwaltung unter Bürgermeister Hubert Humbs von der Stadtverwaltung Regensburg ins Rathaus nach Maxhütte führte.


Es war der 1. April, als ich meinen Dienst antrat. Für wahr, kein Aprilscherz, denn ich merkte schnell, auch im Bauamt, dass schwere Zeiten angebrochen waren.
Kaum waren die Wunden der Gebietsreform 1972 mit der Eingemeindung von Leonberg, Pirkensee und letztlich auch Ponholz verheilt, da tat sich ein unberechenbarer Schauplatz auf, bei dem die Register nicht im Rathaus gezogen wurden.

Zu der Sorge um die Arbeitsplätze im Werk kam die Sorge um die Heimat, die von dem Schreckgespenst der Wiederaufbereitungsanlage, der WAA, geprägt war.
Ganz sachte setzte sich die Meinung durch, dass sich Schwerindustrie und Wiederaufbereitung nachbarschaftlich nicht vertragen. Und dann stand ja bekanntlich die WAA in Wackersdorf in Konkurrenz zum gleichen Vorhaben in Niedersachsen

und die Maxhütte im Ringen um öffentliche Fördermittel (es ging um mehr als 200 Millionen) in Konkurrenz zur Georgsmarienhütte in Niedersachsen. Die beiden Ministerpräsidenten Strauß für Bayern und Albrecht für Niedersachsen haben wohl Eisen und Stahl vortrefflich gegen Atom aufgewogen.

Es verging nahezu keine Stadtratssitzung in der sich die Räte nicht mit dem Eisenwerk oder der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf beschäftigen mussten. Dabei bestand im Stadtrat Einigkeit beim Werk, aber, wie auch in der Bevölkerung, Uneinigkeit zum Thema WAA.
Ich erinnere mich in dieser schweren Zeit an meine Mithilfe bei der Bewertung nicht betriebsnotwendiger Grundstücke des Werkes. Der Erlös von 52 Millionen DM sollte, als Zuwendung des Freistaates, ein letzter Rettungsanker sein. Mit diesem Betrag sollte ein finanzieller Engpass am Übergang des Jahres 1996 zu 1997 beseitigt werden.

Ich erinnere mich an den Verkauf von 600 Werkswohnungen, an Häuser und Grundstücke. In aller Eile wurden schon mal Straßen, Wald und Ödungen als Bauland bewertet. Dabei führte besonders der Verkauf der Wohnungen oftmals

zu sozialen, finanziellen und familiären Problemen.

Die Mieter der Eisenwerkwohnungen waren an ein Rundum-Fürsorgepaket des Werkes gewöhnt, das sich in geringen Mieten und umfassender Betreuung im Unterhalt zeigte. Nun galt es, für sicheres Wohnen der Arbeiter, Sozialplaner, Rentner und Witwen zu sorgen. Oft überstieg der Preis für eine Wohnung, ab 28.000 DM, die Rücklagen, sodass Kredite der örtlichen Banken herhalten mussten. Also Schulden machen für Wohnraum, bisher undenkbar. Oft haben Kinder die Wohnungen gekauft oder gebürgt. Es war aber unumgänglich, dass auch fremde Leute kauften.

Da brach etwas weg, was wohl mit Fürsorge bezeichnet werden kann.

Niemand kümmerte sich mehr um den „tropfenden Wasserhahn“. Besonders die Witwen waren im Unterhalt allein gelassen.  Eine unvorstellbare Situation, weil sich ganz selbstverständlich in den vergangenen 50 Jahren das Werk darum gekümmert hatte. Der Wohnungsverwalter, der Biersack Sepp, war der Garant für die Vergabe von Wohnungen und Reparaturen.
Wie die Stadt selbst, so hat sich auch in den Wohnanlagen die Belegung verändert.

Ich erinnere mich an Protestmärsche im Städtedreieck, wo viele aus der Bevölkerung teilnahmen, aber zu unserem Erstaunen Angehörige des Werkes, auch Familienangehörige minder vertreten waren, während die Geschäftsleute zahlreich protestierten.

Ich erinnere mich an die Aktivierung der Brachflächen des jetzigen Gewerbegebietes Verau, das Bürgermeister Gierl vor 1978 für einen Nachfolgebetrieb angekauft hatte.
Mit dem Ansinnen der Verwaltung, dieses Gebiet für Handwerksbetriebe zu überplanen fanden wir nicht nur Zustimmung im Stadtrat. Die Ablehnung dieser Planung wurde damit begründet, dass dies in einer schweren Zeit ein Affront gegen das Werk wäre. Ich begriff, dass das Werk über Jahrzehnte einen Monopolanspruch für Arbeitsplätze aufgebaut hatten und eine Konkurrenz nicht erwünscht war.

Deswegen war die Stadt bei ihren Bewerbungen um Siemens (Zuschlag: Regenstauf) oder Triumph (Zuschlag: Schwandorf) leer ausgegangen.
1990 brachte dann die Zäsur, nachdem ja 1987 bereits von Klöckner das Kaltwalzwerk geschlossen wurde. 1990 kam das Aus für das Eisenwerk Maximilianshütte in Haidhof sowie das Aus für die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf

Mehr als 200 Millionen hatte das Werk für Sanierungen gefordert, aber nicht mehr erhalten. Die Maxhütte nicht, die Georgsmarienhütte in Niedersachsen sehr wohl. Die gibt es heute noch.
„Willle schafft Werke“ - steht über dem Eingang des Rathauses. Übrigens der Wahlspruch von Bürgermeister Karl Schäffer, der als Arbeiter des Werkes und Betriebsrat ab 1945 bereits um den Erhalt des Werkes kämpfte und die Demontage verhinderte, sowie das Rathaus und die Schule baute.
Ein starker Wille war sodann gefordert, als es darum ging, der Bevölkerung neuen Mut zu geben und den guten Namen der Maxhütte, der Stadt Maxhütte-Haidhof zu erhalten...

Das neue "Maxhütte"-Buch entsteht.

Der Titelsong zum Buch "Dampfschiff"
Von Reinhard Vinzenz Gampe
Dampfschiff.mp3
MP3-Audiodatei [5.4 MB]

Foto-Recherche im Läpple-Werk

Weihnachtsbuch

Das neue Weihnachtsbuch ist im Morsak-Verlag Freyung/
Grafenau erschienen.

"Sagenhafte Weihnachtszeit"

Buchvorstellung in Maxhütte

WAA

unbestechlich
DAS KULTBUCH zur WAA 

ist wieder im Handel. 
Restexemp-lare gibt es auch bei Bücher Pustet in Regensburg. 

Zwischen Wasserwerfern ...

Günter Moser, ehemals Leiter des Buch- und Kunstverlages Amberg rezensierte das Buch über Hans Schuierer im "Neuen Tag". 

NEUE Tag Schuierer Buch.pdf
PDF-Dokument [271.5 KB]

Video zur Buchvorstellung OTV

OTV Fernsehen
video.mp4
MP3-Audiodatei [22.1 MB]

Das Musikvideo

Das Musikvideo zum Buch - mit der Gampe Band
Hans%2C%20bleib%20da%20-%20Lange%20Versi[...]
MP3-Audiodatei [28.2 MB]

Gampe zum Song

Gampe zum Song_75.mov
QuickTime Video-Format [86.1 MB]

Kultur i.d. Oberpfalz

Im Jahresband zur Kultur und Geschichte der Oberpfalz im Landkreis Schwandorf berichte ich über die
Geschichte des LOKAL-Verlags.

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